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Die Heimat der Komodowarane

Der Komodo Nationalpark in Indonesien

von AGE™ Travel Magazine

Wer das Glück hat, einen Komodowaran in seinem natürlichen Lebensraum zu erblicken, wird diesen besonderen Moment nie vergessen. Die letzten Riesenwarane Indonesiens befinden sich auf den Inseln Komodo, Rinca, Gili Dasami, Gili Montang und Flores. Urzeitgeschöpfe, Fabelwesen, die letzten Dinosaurier. Wer einen Komodowaran erblickt, der kann sich leicht vorstellen, dass so manche alte Drachensage auf diese und noch größere Riesenechsen zurückgehen könnte, die bereits ausgestorben sind. Der Komodowaran ist streng geschützt und hat im Komodo Nationalpark einen der letzten Rückzugsorte gefunden.

Kraftvoll schiebt sich sein massiger Körper durch das Unterholz. Die rotbraunen Schuppen verschmelzen mit dem zarten Ton der Erde. Der Anblick des Giganten erzählt von Ruhe, von Kraft und von etwas, das sich vielleicht mit schwerfälliger Eleganz beschreiben lässt. Fast lautlos streifen die mächtigen Klauen die Erde. Seine gespaltene Zunge schiebt sich prüfend aus der breiten Schnauze, unterstreicht die Fremdheit dieses faszinierenden Wesens. Sein starrer Blick erzählt Geschichten, und wer in diese Augen schaut, der findet Tiefe, Schönheit und einen Hauch von Ewigkeit.
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Tourismus auf Komodo und Rinca

Ein Flug von Bali nach Flores ist der Ausgangspunkt für diese spannende Reise mit herpetologischem Höhepunkt. Ein kleines Boot wartet im Hafen von Flores und seine vierköpfige Mannschaft begleitet uns zu den Dracheninseln Komodo und Rinca. Für ein umweltschonendes und intensives Naturerlebnis sind private Touren mit lokalen Führern Pflicht. Große Ausflugsschiffe halten meist nur kurz und zeigen gerne die angefütterten Warane in der Nähe der Ranger-Hütten. So ist die Sichtung garantiert und die Hälfte der Reisegruppe ist nach diesem Spaziergang in Badelatschen auch schon müde. Das bildschöne Hinterland bleibt weitgehend ungestört. Es ist den Tieren und einzelnen herpetologisch begeisterten Individualtouristen vorbehalten.

Mit gutem Schuhwerk, einer Flasche Wasser im Gepäck und einem motivierten lokalen Naturführer, kannst Du die wahre Schönheit der Inseln erkunden. Wenn Du zudem genügend Energie mitbringst, um trotz Hitze, den ein oder anderen Hügel zu besteigen, dann sind dir fantastische Ausblicke schonmal sicher. Ein wenig Überzeugungsarbeit war schon nötig, um unserem Führer begreiflich zu machen, dass wir einige Schritte mehr laufen möchten als üblich. Immer wieder klärte er uns auf, dass wir „dort draußen“ vielleicht gar keine Komodowarane sehen. Wir hatten Mut zur Lücke, blieben hartnäckig und hatten Glück. Die Komodowarane zeigten sich von ihrer besten Seite. Und am Ende einer mehrstündigen Wanderung wirkte unser Guide genauso glücklich wie wir selbst.

Die Zukunft könnte leider weniger idyllisch aussehen, denn für 2021 war der Bau eines Geoparks geplant. Der Spitzname „Jurassic Park“, Beobachtungsplattformen und ein Informationszentrum sollen den Tourismus ankurbeln. Es bleibt abzuwarten, wie das Projekt umgesetzt wird. Wir hoffen sehr, dass dies mit dem Schutz der Komodowarane und dem Erhalt ihres Lebensraums vereinbar bleibt und zudem weiterhin ein echtes Naturerlebnis möglich ist.

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Begegnung mit den Riesenechsen

Morgens sind die Warane auf dem Weg zu ihrem Sonnenplatz, wärmen sich im freien Gelände auf oder kehren von dort zurück. Ein Besuch der Inseln am frühen Morgen erhöht Deine Chancen aktive Komodowarane zu beobachten darum deutlich. Auch wir sind früh dran und können bereits kurz nach unserem Landgang den ersten Riesenwaran auf der Insel Komodo bewundern. Gemächlich schlendert er in der Ferne am Strand entlang und nimmt keine Notiz von den begeistert fotografierenden Zweibeinern. Nur kurze Zeit später haben wir erneut Glück. Majestätisch thront ein majestätischer Waran auf einem kleinen Hügel am Waldrand. Seine imposante Körpergröße von ungefähr 2,5 Metern Länge beeindruckt uns. In einigen Metern Entfernung laufen zwei Frauen den Strand entlang. Sie balancieren Lasten auf ihren Köpfen und verstärken das seltsame Gefühl, dass wir gerade einen kurzen Blick in eine längst vergangene Zeit erhaschen.

Die erste Sichtung auf der Insel Rinca ist ein subadulter Komodowaran von etwa 1,5 Metern. Er liegt auf einem Felsmassiv in der Morgensonne und ist mit den letzten Resten seiner Jugendfärbung geziert. Um seine ideale Körpertemperatur zu erreichen, toleriert er das offene Gelände. Die heiße Zeit des Tages hingegen verbringt Varanus komodoensis meist im Schatten oder in kühlen Verstecken. Ein gutes Auge ist gefragt. Trotz ihrer Größe verschmelzen die Echsen perfekt mit der Umgebung. Die Jungtiere sind noch aktive Jäger. Die Erwachsenen Warane sind als geduldige Lauerjäger bekannt. Und so finden auch wir einen massigen Komodowaran, der unbeweglich auf dem Waldboden zu ruhen scheint.

Ein anderer Komododrache ist seinem außergewöhnlichen Geruchssinn gefolgt und wir können ihn beim Benagen der letzten Reste eines Mähnenhirschs bewundern. Hier wird uns wieder bewusst, dass diese großen Echsen echte Raubtiere sind. Gut geschützt sind wir nicht, denn unser Führer hat nur eine große Astgabel mitgenommen. Sie soll helfen aufdringliche Tiere auf Abstand zu halten. Zum Glück scheinen die Warane den Menschen aber nicht als Beute zu betrachten und reagieren – bei gebührendem Abstand – entspannt. Komodowarane können Kadaver über eine Strecke von mehreren Kilometern riechen. Der Hirsch ist gestern verendet, weiß unser Führer zu berichten. Den Tag zuvor sollen hier bereits mehrere Warane gespeist haben. Unser Nachzügler begnügt sich mit den Resten.

Auch an einem kleinen Tümpel werden wir fündig. Ein Komodowaran stillt seinen Durst und zahlreiche Schmetterlinge schwirren durch die Lüfte. Wir halten inne und genießen die schöne Stimmung an diesem einsamen Ort. Unsere Glücksträhe hält an und einige Zeit später können wir zeitgleich zwei ältere Männchen beobachten. Behäbig schieben sie ihre Körper durch Wurzelgeflecht und Unterholz. Keiner scheint es eilig zu haben. Immer wieder schnellt ihre Zunge vor und die Warane untersuchen interessiert ihre Umgebung. Als sich die beeindruckenden Tiere unmittelbar begegnen, halten wir den Atem an. Doch es bleibt friedlich, und jeder zieht seiner Wege.

Das flach an den Boden gedrückte Weibchen in seiner Nistmulde wäre uns fast entgangen. Für die Eiablage hebt es entweder eine solche Nistmulde aus oder nutzt den Bruthügel von Großfußhühnern für die eigenen Zwecke. Diese Hühner bauen riesige Hügel, die ähnlich wie ein Komposthaufen Wärme produzieren. Durch Schichtung und Betreuung ihres Hügels schaffen es die Vögel, eine konstante Bruttemperatur herzustellen. Waranmütter scheinen ihre Eier gerne ins gemachte Nest zu legen, denn das gezielte Aufsuchen der Bruthügel wurde im Komodo-Nationalpark oft beobachtet.

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Flora und Fauna erleben

Neben unserem Objekt der Begierde, dem Komodowaran höchstpersönlich, sind auch seine Beutetiere und andere Bewohner der Insel einen zweiten Blick wert. Mähnenhirsche dösen entspannt im Schatten des Waldes und lassen sich durch das Auftauchen unserer kleinen Vierergruppe nicht stören. Gelbwangenkakadus sind mit der Gefiederpflege beschäftigt, und der unverkennbare Ruf eines Tokehs erzählt uns von dem hübschen Bewohner, der in seinem Baumrindenversteck auf die Nacht wartet. Schattige Waldgebiete und offene Savanne wechseln sich ab. Sanfte Hügel mit hübschen Lontar-Palmen durchziehen die Inseln, und der Blick auf türkisblaue Buchten lässt jede Mühe in der heißen Sonne vergessen.

Plötzlich ertönt das laute Quietschen eines überraschten Wildschweins, und die flüchtende Rotte lässt uns beeindruckt in einer kleinen Staubwolke zurück. Mit etwas Glück bekommt der Besucher auf Rinca sogar Wasserbüffel zu Gesicht. Nach einem anstrengenden, aber herrlichen Marsch werden wir schließlich von keckernden Langschwanzmakaken verabschiedet. Der Blick vom Bootssteg ins kristallklare Wasser lässt eine unglaubliche Vielfalt des Korallenriffs erahnen. So erleichtert uns die Vorfreude auf den nächsten Schnorchel-Stopp ein klein wenig den Abschied. Sie werden uns in bester Erinnerung bleiben – die schönen Inseln und die beeindruckendsten Warane unserer Zeit.

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Stimmungsbild der lokalen Bevölkerung

Soweit es die Sprachbarrieren zuließen, suchten wir immer wieder den Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Ranger, einheimische Guides und liebenswerte Zufallsbekanntschaften formten ein subjektives, aber interessantes Bild. Bei den Landwirten sorgen die Echsen zeitweise für Unmut, da sie auch beispielsweise Ziegen erbeuten. Ein Ranger berichtete zudem sichtlich betroffen von einem tragischen Zwischenfall, bei dem ein Kind tödlich durch einen Komodowaran verletzt wurde. Zum Glück sei dies jedoch die Ausnahme. Für die vereinzelten Berichte über Angriffe auf Touristen hatte er dagegen wenig Verständnis. Viele Hobbyfotografen vergessen offensichtlich, dass das begehrte Motiv vor ihrer Linse ein Raubtier ist, und bedrängen die Echsen mit Nahaufnahmen. Insgesamt scheint die Bevölkerung den Komodowaranen positiv gesinnt. Zum einen, weil sie als Touristenattraktion Geld in die abgelegene Region bringen, zum anderen, weil viele alte Legenden und Geschichten sie mit den Schuppentieren verbinden. Eine Sage berichtet von der indonesischen Drachenkönigin, die Zwillinge gebar. Ihr Sohn war ein menschlicher Prinz, die Tochter ein majestätischer Komodowaran. Unser Führer auf der Insel Rinca erzählte hingegen stolz, die großen Echsen wären seine wiedergeborenen Ahnen. Oft ließen die Einheimischen früher sogar einen Teil ihrer Jagdbeute als Opfer für die Reptilien zurück.


Erfahre wissenswertes über die Besonderheiten der Komdowarane: Tierlexikon Komodowaran


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Genieße die AGE™ Bildergalerie: Die Heimat der Komodowarane – Ein Tag unter Drachen.

(Für eine entspannte Diashow im Vollformat einfach eines der Fotos anklicken)

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Quellenangabe zur Textrecherche

Persönliche Erfahrungen, sowie Informationen von Guide und Ranger beim Besuch von Komodo und Rinca im Oktober 2016.

Holland Jennifer (2014), Warane: Es war einmal ein Drache. National Geografic Heft1/2014 Seite(n) 116 bis 129 [online] Abgerufen am 25.05.2021, von URL: https://www.nationalgeographic.de/tiere/warane-es-war-einmal-ein-drache

Zeit Online (20.10.2020), Neue Attraktion in Indonesion. Jurassic Park im Reich der Komododrachen. [online] Abgerufen am 25.05.2021, von URL: https://www.zeit.de/news/2020-10/20/jurassic-park-im-reich-der-komododrachen?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

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